Raus aus dem Mental Load

Raus aus dem Mental Load

Wenn es dir im Alltag mit Kindern so ähnlich wie mir geht, bist du vermutlich auch häufig bis immer ziemlich erschöpft. Einen großen Teil deiner täglichen Erschöpfung kannst du vermutlich dem nie aufhörenden Gedankenkarussell zuschreiben, welches dich immerzu daran erinnert, was du noch als nächstes tun musst. Ein berühmter Comic von Emma (einer französischen Zeichnerin, die sich unter anderem für Feminismus einsetzt) beschreibt treffend die Lage, in der sich viele Frauen, insbesondere Mütter, täglich befinden. Für diese unsichtbare und belastende Arbeit hat sich der Begriff Mental Load, also quasi gedankliche Belastung, etabliert. Hierbei gibt es drei kritische Punkte:

  1. Die Arbeit ist neverending – sie hört einfach nie auf. Es werden allein für die Kinder immer mal wieder neue Kontrollarzttermine und neue Kleidung nötig. Es fallen immer wieder Geburtstage an. Und wenn dein Kind zu einem Verein oder sonstigem Hobby gebracht werden möchte, zieht das wieder eine Reihe an Aufgaben nach sich.
  2. Die Arbeit ist unsichtbar. Und wird damit häufig nicht einmal wertgeschätzt. Viele Partner verstehen gar nicht, worüber man sich beklagt, wovon man abends so erschöpft ist (abgesehen davon, dass es ein Vollzeitjob ist, sich um die Bedürfnisse eines oder gar mehrerer Kinder zu kümmern). Auch dir selbst kommt es vermutlich häufig am Abend so vor, als hättest du gefühlt wieder nichts geschafft, obwohl du den ganzen Tag nur gerannt bist.
  3. Die Arbeit ist teilweise belastend. Weil es eben oftmals vieles zu bedenken gibt, du dich an so viel erinnern musst. Oder es schnell aufschreiben musst, bevor das Kind schreit. Zusätzlich zu den ganzen alltäglichen Aufgaben, die sowieso anstehen, gibt es auch regelmäßig wiederkehrende Aufgaben, und sei es nur das Blumen gießen, neue Müllbeutel besorgen, wenn die alten leer sind, die Klopapier Rollen nachfüllen. Alles Kleinigkeiten, oder? Nicht der Rede wert? In der Summe ergibt sich hier aber doch ein gewaltiger Berg an Dingen, die dich einfach mental belasten, wenn du daran denken und dich darum (alleine) kümmern musst.

Mir ist bei einer Übung – dem bewussten Beobachten meiner Gedanken – aufgefallen, dass wirklich ständig Gedanken aufkommen wie „Ohhh, daran muss ich noch unbedingt denken“ oder „Das muss ich gleich noch unbedingt erledigen“. Eigentlich könnte ich beim Spielen mit meinen Kindern jede Minute das Handy in die Hand nehmen, um mir schnell noch was zu notieren, bevor ich es wieder vergesse. Und auf dem Weg in die Küche, um meiner Tochter etwas zu trinken zu holen, fallen mir die dreckigen Socken auf dem Flurboden auf, die Teller, die sich auf der Spülmaschine stapeln, und der Zettel am Kühlschrank mit dem Müllabfuhrtermin morgen – irgendjemand musste zumindest meinen Mann daran erinnern, die Mülltonnen an die Straßen zu schieben.Wege finden, um uns von dieser unsichtbaren Last zu befreien und ein erfülltes und ausgewogenes Familienleben zu führen.

Mental Load Test

Die Initiative Equal Care Day hat einen Mental Load Test herausgebracht, den du zusammen mit deinem Partner durchführen kannst -> Zum Test als PDF.

Was außerdem helfen kann

In einem ersten Schritt: Bewusstmachen. Dir selbst, und natürlich auch deinem Partner. Schreibe dir z.B. eine Woche lang auf, was du alles tust, organisierst, an was du denken musst, was noch ansteht. Einfach so untereinander auf einen Zettel, dann hast du es mal schwarz auf weiß vor dir.

In einem zweiten Schritt: Aufgabenverteilung zusammen anschauen. Was ist wirklich wirklich wirklich notwendig. Was musst du unbedingt selbst machen. Was kann dein Partner machen. Was kann ggf. eine externe Hilfe übernehmen.

In einem dritten Schritt: Loslassen (üben). Versuche, die Aufgaben, die du abgegeben hast, auch wirklich abzugeben.

Wie sieht es bei dir und deinem Partner aus? Wie regelt ihr die Aufgabenverteilung? Hast du noch weitere Tipps , die dir geholfen haben, nicht mehr an alles denken zu müssen? Schreib mir deine Erfahrungen gern in die Kommentare!

Buchtipps & Weitere Links

  1. Buch: Raus aus der Mental Load Falle
  2. Buch: Mama muss gar nichts
  3. Buch: Fifty Fifty Eltern
  4. Mental Load Angebote im Mamas Dorf Verzeichnis

Im Interview mit Patricia Cammarata erfährst du noch mehr über Mental Load.

High Need Baby – Anzeichen & Was kann ich tun?

High Need Baby – Anzeichen & Was kann ich tun?

Es gab nicht nur einen Grund, warum mein erstes Babyjahr mit das härteste Jahr meines Lebens war (worauf ich hier auch eingehe). Aber ein Hauptgrund war auf jeden Fall dieser: Meine Tochter war ein High Need Baby.

Vielleicht hast du diesen Begriff schonmal gehört und fragst dich, ob das auf dich auch zutreffen könnte? Oder du hast noch nie davon gehört und möchtest wissen, was das überhaupt ist und ob du deswegen vielleicht so erschöpft bist? Ob mit deinem Baby vielleicht doch alles stimmt, es aber einfach etwas anders ist?

Was ist ein „High Need Baby“?

Ein „High Need Baby“ ist ein Begriff, der von Dr. William Sears geprägt wurde, um Babys zu beschreiben, die intensivere Bedürfnisse haben als andere. Diese Babys sind oft anspruchsvoller in Bezug auf Schlaf, Nahrungsaufnahme, Nähe und Stimulation.

In diesem Blogartikel beschreibe ich:

  • Die Merkmale von High Need Babies
  • Woher der Begriff High Need Baby stammt
  • Was der Unterschied ist zwischen High Need Baby und Schreibaby
  • Was man tun kann, wenn man ein High Need Baby hat.

Merkmale eines „High Need Babys“:

  1. Intensive Bedürfnisse: Hochbedürfnis-Babys benötigen oft mehr Aufmerksamkeit und Interaktion. Vielleicht kennst du sie auch? Die Babys, die in der Krabbelgruppe zufrieden herumliegen und einfach nur durch die Gegend schauen? Und dein Baby ist sofort unzufrieden, wenn es nicht von dir unterhalten wird?
  2. Temperamentvoll: Sie können oft schnell reizbar sein und sich schwer beruhigen lassen.
  3. Hohe Sensibilität: Diese Babys können auf Reize wie Geräusche, Licht und Berührungen empfindlicher reagieren.
  4. Starker Bindungswunsch: Hochbedürfnis-Babys sehnen sich oft nach Nähe und Sicherheit und zeigen eine starke Bindung zu ihren Eltern. Oft sind es klassische „Tragebabys“, die sich einfach nicht ablegen lassen.

Aus meiner Erfahrung kann ich auch dazu fügen, dass meine Tochter sehr unruhig schlief und im 1. Jahr oft alle 45 – 90 Minuten aufgewacht ist. Außerdem wollte sie eigentlich immer stillen.

Woher stammt der Begriff „High Need Baby“ überhaupt?

Der Begriff „High Need Baby“ (high = hoch, need = Bedürfnis) stammt von Dr. William Sears, einem Kinderarzt und Autor mehrerer Bücher über Elternschaft und Kindesentwicklung (z. B. Attachment Parenting Buch, Schlafen und Wachen: Das Elternbuch für Kindernächte).
In seinen Büchern und Artikeln verwendet Dr. Sears den Begriff High Need Baby, um Babys zu beschreiben, die intensivere Bedürfnisse haben als andere und daher eine erhöhte Aufmerksamkeit und Fürsorge seitens der Eltern erfordern. In seinen Büchern betont Sears die Bedeutung von Bindung, Nähe, Geduld und Verständnis im Umgang mit high need Babys.

Was ist der Unterschied zwischen einem High Need Baby und einem Schreibaby?

Der Begriff „High Need Baby“ und „Schreibaby“ werden manchmal synonym verwendet, da beide Begriffe auf Babys hinweisen, die intensivere Bedürfnisse haben und deren Betreuung anspruchsvoller sein kann, als die von „normalen“ Babys. Dennoch gibt es einige Unterschiede zwischen den beiden Begriffen:

  1. High Need Baby:
    • Ein „High Need Baby“ wird für Babys genutzt, die intensivere Bedürfnisse haben als andere. Diese Babys können in verschiedenen Bereichen anspruchsvoller sein, wie zum Beispiel in Bezug auf Schlaf (schlafen wesentlich weniger, wachen sehr häufig auf), Nahrungsaufnahme (wollen z. B. ständig stillen, nuckeln, trinken), Nähe (lassen sich nicht ablegen) und Stimulation (können sich gar nicht selbst beschäftigen).
    • High Need Babys können empfindlicher auf Reize reagieren, sind oft schnell reizbar und sehnen sich nach Nähe und Sicherheit. Der Übergang zu hochsensiblen Babys kann hierbei fließend sein.
    • Bei High Need Babys gilt es, die Bedürfnisse des Babys besser zu verstehen und geeignete Wege zu finden, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ich kann hierzu sehr die „artgerecht“ Reihe von Nicola Schmidt empfehlen, die zumindest schonmal die Illusion nimmt, dass alle Babys sich ablegen lassen, durchschlafen und alle 4 Stunden gestillt werden.
  2. Schreibaby:
    • Ein Schreibaby ist ein Baby, das übermäßig viel weint oder schreit, ohne dass eine offensichtliche Ursache erkennbar ist (an mind. 3 Tagen pro Woche länger als 3 Stunden über einen längeren Zeitraum, ist eine offizielle Definition).
    • Schreibabys können unterschiedliche Gründe für ihr Weinen haben, darunter Koliken, Unwohlsein, Überstimulation, Hunger oder Müdigkeit – dies lässt sich aber wie schon gesagt meist nicht feststellen.
    • Bei Schreibabys liegt der Fokus darauf, mögliche Ursachen für das übermäßige Weinen zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um das Kind zu beruhigen und die Belastung für die Eltern zu reduzieren.

Insgesamt können High Need Babys und Schreibabys sich überschneiden, da beide Situationen für Eltern herausfordernd sind. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Verhaltensweisen des Babys zu berücksichtigen und SUPER WICHTIG, entsprechende Unterstützung und Ressourcen in Anspruch zu nehmen, um den Eltern zu helfen, mit diesen krassen Herausforderungen umzugehen.

Tipps für Eltern von High Need Babys:

  1. Akzeptanz und Geduld: Akzeptiere, dass dein Baby vielleicht intensivere Bedürfnisse hat, vergleiche dich und dein Baby nicht mit anderen und sei geduldig mit dir selbst und deinem Baby.
  2. Enge Bindung aufbauen: Nimm dir Zeit, um eine starke Bindung zu deinem Baby aufzubauen. Haut-zu-Haut-Kontakt und generell viel Körperkontakt können deinem Baby das Gefühl von Sicherheit geben.
  3. Unterstützung suchen: Such dir unbedingt Unterstützung bei deinem Partner, Familie oder Freunden. Es ist wichtig, dass du dir selbst Zeit für Ruhe und Erholung nehmen kannst.
  4. Flexibilität in der Routine: Sei offen für Veränderungen in deiner Routine. High Need Babys können manchmal unvorhersehbar sein, und Flexibilität kann den Stress reduzieren. Auch wenn Routinen generell hilfreich sind im Familienalltag, klappt es hier nicht immer.
  5. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du dich überfordert fühlst. Ein Kinderarzt oder eine Beratungsstelle kann dir möglicherweise weitere Ratschläge und Unterstützung bieten. Schau unbedingt bei den Beratungsstellen und im Mamas Dorf Verzeichnis nach, dort wirst du bestimmt schon fündig.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die erste Zeit mit einem High Need Baby unfassbar anstrengend, vielleicht sogar traumatisch sein kann. Egal, wie gut man sich auf die Babyzeit vorbereitet hat – darauf kann einen wirklich nichts vorbereiten. Sich so viel Unterstützung zu holen wie möglich und sich ohne schlechtes Gewissen Auszeiten ohne Baby zu nehmen ist wirklich essentiell. Sprüche wie „sie werden ja so schnell groß“ helfen dir stattdessen sicherlich nicht weiter.

Kommentiere gern unter diesem Blogartikel und teile deine Erfahrungen mit mir.

New Working Mom – Wie du eine liebevolle Mama bleibst & berufliche Erfüllung findest (Buchvorstellung)

New Working Mom – Wie du eine liebevolle Mama bleibst & berufliche Erfüllung findest (Buchvorstellung)

Als Mama, gerade wenn dein(e) Kind(er) noch klein ist/sind, hast du sicherlich sehr wenig Zeit zum Lesen. Aber das Buch „New Working Mom – Wie du eine liebevolle Mama bleibst & berufliche Erfüllung findest*“ von Irene Maria Walter kann ich wirklich von ganzem Herzen empfehlen.

Du findest dort nicht nur inspirierende Interviews (im 1. Teil) dazu, wie andere Mütter Beruf und Familie unter einen Hut gebracht haben, sondern hast im 2. Teil die Möglichkeit, ein gesundes Fundament für dein ganzes Leben aufzubauen. Es geht noch viel weiter, als sich nur auf den Job zu beziehen.

Am besten bestellst du dir ein hübsches Notizbuch* dazu und machst alle Übungen – vielleicht sogar regelmäßig – um den größten Nutzen aus dem Buch zu ziehen.

Vielfalt

Die vielen Infos und Geschichten beziehen sich übrigens sowohl auf Österreich als auch auf Deutschland. Im Interview Teil findest du vielfältige Lebenssituationen, wie z.B. auch gleichgeschlechtliche Paare, Patchwork-Familien, Studierende mit Kind, Selbständige/Angestellte – es ist bestimmt für jeden etwas dabei 🙂 Die Einblicke in die unterschiedlichsten Situationen, Herausforderungen und wie sie gestärkt gemeistert wurden gibt dabei viele Anregungen für den eigenen Alltag. 

Was du in dem Buch findest:

  • Mut machende Interviews mit anderen Frauen darüber, wie sie Beruf und Familie vereinbart haben
  • Die wichtigsten Tipps, um dem Mama Burnout vorzubeugen
  • Eine Analyse deiner Werte
  • Wie du Karriere überhaupt definierst und was du daran ändern kannst
  • Ziele intelligent setzen und neue Wege gehen
  • Mental Load und wie du da wieder raus kommst
  • Unterstützung – welche großartigen Möglichkeiten es für eine bessere Vereinbarkeit gibt
  • Resilienz
  • und vieles mehr!

Das Ganze ist ausgestattet mit wertvollen Übungen und Impulsen, um sein Leben auch wirklich ganz praktisch zu verbessern!

Das Buch motiviert (im Gegensatz zu vielen anderen) wirklich dazu, das zu ändern, was geändert werden darf und zeigt dir die Schritte dafür, wie auch im Untertitel „In 6 Schritten zu mehr innerer Zufriedenheit“ angedeutet.

Was mir unglaublich gut gefallen hat

Es ist auf den Punkt gebracht, hat genau die richtige ausgewogene Menge an Theorie, praktischen Übungen und Ermutigung und liest sich selbst im anspruchsvollen Mama Alltag einfach so weg.

Hast du das Buch schon gelesen? Schreib mir unbedingt in die Kommentare, wie es dir gefallen hat!

 

Mehr Unterstützung und weniger Stress – ein kurzes Interview mit Nicola Schmidt

Mehr Unterstützung und weniger Stress – ein kurzes Interview mit Nicola Schmidt

Was meint Nicola Schmidt, die Gründerin des artgerecht Projekts, zum Thema Unterstützung aufbauen?

Ich habe sie gefragt und das hat sie geantwortet:

1.) Warum scheint der Mütteralltag heute wesentlich stressiger und anspruchsvoller zu sein als noch vor 2, 3 Generationen? (oder kommt uns das nur so vor?) 
Der Mensch hat eine Tendenz, die Vergangenheit zu glorifizieren – das geht allen Generationen so. Insofern ist es kein Wunder, dass wir denken, dass „früher alles besser“ war. Wenn wir uns die Zahlen ansehen, ist das aber eher unwahrscheinlich: Die Mütter- und Kindersterblichkeit war größer, der Ernährungszustand schlechter, Frauen hatten weniger politische Rechte etc. Ich finde die Bücher des schwedischen Gesundheitsprofessors Hans Rosling sind ein gutes Gegenstück zu dieser Tendenz.
 
2.) Was würdest du einer Mutter empfehlen, die zwei Kleinkinder (mit dem häufigen Abstand von knapp 2 Jahren) zu Hause hat, wenig Unterstützung (Mann arbeitet, keine Familie vor Ort) und ziemlich überfordert ist? Wie kann man sich für den Alltag mehr Unterstützung organisieren, wo würdest du hier ansetzen? 
Ich würde ihr empfehlen, sich ein Dorf zu bauen – aus Babysittern, anderen Müttern, Kursen und Hilfe. Und ich würde sie fragen, wie es kommen kann, dass ihr Mann sie wenig unterstützt, obwohl sonst niemand da ist – oft hat das ja auch etwas mit uns selbst zu tun, wenn wir in so einer Situation leben.
 
3.) Wie kann man sich den Alltag mit Kindern konkret einfacher gestalten, um ihn als weniger anstrengend und kräftezehrend zu erleben?
Besser planen, uns weniger vornehmen, weniger perfekt sein – in meinen Büchern „Slow Family“* und in „Erziehen ohne Schimpfen„* habe ich viele Anregungen, was wir anders machen können. Das Wichtigste ist allerdings: Wir müssen unser Leben in die Hand nehmen. Solange wir hoffen, dass irgendein außen uns „rettet“, werden wir enttäuscht werden. Das Dorf klopft nicht an unsere Tür, wir müssen raus gehen, und es aufbauen, da hilft alles nichts. Und das ist gemein, denn mit Kind fehlt uns oft genau dafür die Kraft.
 
4.) Warum ist es auch für die Kinder wichtig, dass wir als Eltern weniger Stress erleben? 
Wir sind nachweislich bessere Eltern, wenn wir weniger Stress haben: Wir sind lustiger, haben mehr Geduld, mehr Ideen und mehr Nachsicht. Außerdem habe ich mich immer gefragt: Was will ich meinen Kindern vorleben, wie man ein Leben lebt? Indem man durchrennt und total gestresst ist? Oder indem wir für uns sorgen und eine gute Zeit haben?  Das wird für sie ein Leben lang einen Unterschied machen.

Mehr von Nicola findet ihr auf ihrer Website artgerecht-projekt.de.

Was macht eigentlich eine Doula?

Was macht eigentlich eine Doula?

Eine laue Sommernacht im Juni. Gerade habe ich den Anruf eines werdenden Vaters erhalten, dem ich schon seit Tagen entgegengefiebert habe: „Es geht los, kannst du bitte kommen?“. Da die Entbindungsklinik ganz in meiner Nähe liegt, schwinge ich mich mit meiner Doula-Tasche aufs Fahrrad und stehe zwanzig Minuten später neben der Geburtswanne, in der die werdende Mama die ersten Wehen noch gut veratmet. Sie macht kurz die Augen auf, lächelt und sagt: „Gut, dass du da bist. Jetzt kann ich mich voll und ganz entspannen.“ In den nächsten Stunden erleben wir alle zusammen, einschließlich der wunderbaren Hebamme, eine kraftvolle, selbstbestimmte und sanfte Geburt, ohne medizinische Eingriffe oder die Gabe von Schmerzmitteln. Wenn mich am Ende die Mama anstrahlt und aus tiefstem Herzen sagt: „Ohne dich hätte ich das niemals geschafft!“, dann weiß ich einmal mehr, wie sinn- und wertvoll meine Arbeit als Doula ist. Diese Frau fühlte sich rundum getragen und gestützt, was ihr geholfen hat, sich voll und ganz für ihr Kind zu öffnen, zwischen den Wellen zu entspannen und neue Kraft zu tanken. Und das verhalf auch dem Baby zu einem wunderbaren Start ins Leben. Denn “es ist nicht egal, wie wir geboren werden“ (Michel Odent, Geburtsmediziner) – und auch nicht, wie wir gebären. Inzwischen kommt die Wissenschaft immer mehr zu dem Schluss, dass viele Verhaltensauffälligkeiten (z.B. ADHS) und Krankheiten ursächlich mit der Art zusammenhängen, mit der ein Kind das Licht der Welt erblickt und auch damit, ob sofort das so wichtige Bonding hat stattfinden können.

Viele Frauen leiden noch Jahre später unter den Folgen traumatischer Geburtserlebnisse. Eine 1:1-Betreuung durch eine erfahrene Doula kann nachweislich unter Umständen solche Folgen verhindern, selbst wenn eine Geburt nicht so verläuft, wie gehofft.

Zu Zeiten überwiegender Hausgeburten war es selbstverständlich, dass der Gebärenden eine oder mehrere vertraute Frauen bei der Geburt zur Seite standen. Heute muss in der Klinik eine Hebamme in der Regel mehrere Entbindungen gleichzeitig betreuen, was dazu führen kann, dass die werdende Mutter bzw. werdenden Eltern über längere Zeit alleine mit den Herausforderungen der Wehen und den damit verbundenen Gefühlen zurechtkommen müssen. Sie lernen die Hebamme(n) meist erst im Krankenhaus kennen. Haben sie sich gerade an eine gewöhnt und kommen gut mit ihr zurecht, kann es sein, dass, weil Schichtwechsel ist, plötzlich ein neues Gesicht im Geburtszimmer auftaucht und sich als die nächste Geburtshelferin vorstellt. Im Zweifelsfall fühlt sich die Gebärende mit der „Neuen“ gar nicht mehr wohl, weil sie eine völlig andere Art des Umgangs mit ihr hat, als die Vorgängerin.
Mit einer Doula hat sie von Anfang bis Ende der Geburt eine vertraute Frau an ihrer Seite, deren einzige Aufgabe es ist, für das Wohlergehen der werdenden Mutter zu sorgen.

Was sind die Unterschiede zwischen einer Doula und einer Hebamme?

Hebammen und Doulas begleiten Dich auf deiner Geburtsreise; jede mit ihrer speziellen Kompetenz, Erfahrung und dem Wunsch, das Beste für dich und dein Baby zu geben.

Die Hebamme

  • hat weitgehende medizinische Befugnisse
  • ist an die Leitlinien der jeweiligen Klinik gebunden
  • wird von der Krankenkasse bezahlt
  • darf Geburten selbstständig – ohne Anwesenheit eines Arztes – begleiten (z.B. Hausgeburten)
  • führt Schwangerenvorsorge und Wochenbettbetreuung durch
  • trägt eine sehr hohe Verantwortung und zahlt dafür immense Versicherungskosten

Die Doula

  • darf keinerlei medizinische Untersuchungen bzw. Anwendungen durchführen
  • unterliegt nicht den Leitlinien der Kliniken, verhält sich aber respektvoll und zurückhaltend gegenüber dem jeweiligen Geburtsteam.
  • bietet eine Privatleistung, die nicht von den Krankenkassen übernommen wird.
  • unterstützt hauptsächlich emotional, informiert, klärt auf und handelt immer in Sinne der werdenden Eltern

 

Hebammen und Doulas können sich wunderbar ergänzen, um einer Frau ein selbstbestimmtes, angstfreies und möglichst natürliches Geburtserlebnis zu ermöglichen.

Es ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen, dass die Geburtsreise sich teilweise erheblich verkürzt, weniger Scherzmittel verlangt werden, weniger medizinische Interventionen nötig werden, und die Ankunft des Babys entspannter und positiver wahrgenommen werden kann, wenn die Frau lückenlos liebevoll und kompetent bei allem begleitet wird (s. Cochrane Studie 2017)

Die Doula ist wie eine mütterliche Freundin; hört sich Sorgen und Ängste an; beantwortet Fragen und versorgt die (werdenden) Eltern mit wichtigen Adressen. Während der Begleitung ist sie immer erreichbar, geht auf Wunsch mit zur Klinikbesichtigung oder zum Frauenarzt. Unter der Geburt gibt sie die Unterstützung, die der Gebärenden guttut und so viel, wie ihr angenehm ist.

Die Doula bereitet die Schwangere und ihren Partner optimal auf die Geburt vor, klärt auf, informiert, erstellt mit ihnen eine Geburtswunschliste, die sie in die Klinik mitnehmen können. Wenn gewünscht und ihr das liegt, bastelt die Doula mit ihren KlientInnen z.B. eine Geburtskerze, ein Geburtsarmband, einen Glücksbringer und Ähnliches. Sie massiert, leitet Meditationen an, zeigt Atemübungen und Geburtspositionen, alles nach den Wünschen der von ihr begleiteten Frauen. Hierbei hat jede Doula ihr eigenes Repertoire und gegebenenfalls weiter Qualifikationen.

In der Regel zehn bis vierzehn Tage vor dem errechneten Geburtstermin bis einige Zeit danach (abhängig vom jeweiligen Vertrag) ist die Doula für ihre Begleitung Tag und Nacht in Rufbereitschaft.

Unter der Geburt ist sie ab dem Zeitpunkt durchgehend bei der Frau, ab dem sie das wünscht. Sie sorgt für eine möglichst angenehme Atmosphäre im Geburtsraum, macht Mut, leitet die Atmung an, läuft mit der Schwangeren herum und probiert mit ihr die angenehmste Haltung aus. Sie achtet darauf, dass die werdende Mutter ausreichend trinkt und stärkt natürlich auch den werdenden Vater.

Sie gibt den Paaren ausreichend Raum für Intimität. Sie zieht sich auf Wunsch zurück, ist aber immer in der Nähe, sobald nach ihr verlangt wird.

Die Doula hilft, damit umzugehen, wenn die Geburt nicht so verläuft, wie die Frau sich das erträumt hat. So kann unter anderem auch eine Bauchgeburt in guter Erinnerung bleiben, wenn die Gebärende bzw. die werdenden Eltern die optimale Unterstützung dabei erfahren. Die Geburtsbegleiterin stellt sicher, dass das so wichtige Bonding durch körperliche Nähe in allen Situationen stattfindet und bleibt an der Seite der frischgebackenen Mama, bis sie rundum gut versorgt und zufrieden ist.

Auf Wusch macht die Doula Fotos, manche bieten auch einen Farbabdruck der Plazenta an.

Nach der Geburt kommt sie zu Dir nach Hause. Sie erkundigt sich, wie es der jungen Mutter, dem Baby und – nicht zu vergessen – dem Vater geht. Die Doula gibt, wenn gewünscht, ein paar Hilfestellungen und Tipps. Gemeinsam können alle Beteiligten in aller Ruhe noch einmal die erlebte Geburtsreise Revue passieren lassen. Zur Erinnerung überreicht die Doula in der Regel einen Geburtsbericht.

Die Geburtsbegleiterin gibt auf Anfrage auch Hilfestellung im Wochenbett. Sie hilft der Frau, wieder zu Kräften zu kommen, bei Unsicherheiten mit dem Baby, und sie erledigt auch mal kleinere Arbeiten im Haushalt.

Manche Doulas organisieren Blessingway-Feiern, Closing-Zeremonien oder ähnliche Rituale.

Ich kann nur jeder werdenden Mutter empfehlen, sich eine Doula zu leisten. Wie oft bekomme ich von Müttern zu hören: „Ich wünschte, ich hätte jemanden wie dich an meiner Seite gehabt. Damals habe ich mich so allein gelassen gefühlt.“ Oder auch: „Ich habe meine Würde an der Kreißsaal-Tür abgeben müssen.“

Der Rundum-Service einer Doula kostet etwa zwischen 600 und 1.000 Euro. Jede Geburtsbegleiterin legt ihre Preise selbst fest, unter anderem abhängig von der Region, in der sie tätig ist.

Ist diese Leistung teuer? Nicht, wenn man bedenkt, dass eine Doula monatelang für eine Familie tätig ist, dass sie während der Rufbereitschaft keine weiteren Aufträge annimmt und vielen Aktivitäten (wie Kinobesuche, Schwimmen, Reisen usw.) nicht nachgehen kann, dass sie nachts oberflächlicher schläft, je näher der errechnete Termin rückt und dass sie lückenlos bei der Gebärenden bleibt, egal, wie lange die Geburt dauert. Da sind schon mal 30 Stunden und mehr möglich. Dazu kommen noch Fahrt- und Materialkosten, Zeit für die Dokumentation, das Erstellen des Geburtsberichtes und Anfertigen bzw. Besorgen kleiner Geschenke. Und sie ist in der vertraglich festgelegten Zeit so gut wie immer erreichbar.

Wenn sich jemand die Begleitung durch eine Doula wünscht, es sich aber nicht so einfach leisten kannst, rate ich dazu, sich von Freunden, Kollegen, Bekannten und der Familie einen Zuschuss oder einen Gutschein für diesen Service zu wünschen. Das ist oft viel sinnvoller als die übliche Windeltorte, der zwanzigste Body oder Schnuller.

Um Frauen noch effektiver betreuen zu können und im Ernstfall ein Backup zur Verfügung zu haben, bilden sich vereinzelt Doula-Teams. In Hamburg z.B. gibt es seit diesem Jahr die Hamburger DoulaDeerns mit 6 Geburtsbegleiterinnen. Eine davon ist die Autorin dieses Artikels.

Zeit für mich: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Zeit für mich: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Gehörst Du auch zu den Müttern, die gerade feststellen, wie schön es ist, dass es jetzt morgens wieder ruhiger ist?  Wie es ist, allein Zuhause zu sein, weil die Kinder endlich wieder regelmäßig in die Schule oder Kinderbetreuung gehen? Okay, vielleicht ist Dein Partner noch im Homeoffice, aber kannst Du trotzdem kannst die Ruhe spüren?

Ich weiß noch, wie ich am ersten Schultag nach den Sommerferien und das ist in Bayern noch nicht so lange her, im Flur stand und registriert habe, dass es auf einmal ganz ruhig war. An diesem Tag war mein Mann auch endlich mal wieder in der Firma, was aktuell nur 1x/Woche vorkommt. Ich war also ganz allein, allein mit mir. Endlich mal wieder!

Und dann kam die Idee Fenster zu putzen. Irgendwann dachte ich mir, was für ein Schmarrn. Nutze ich doch die Zeit lieber für mich selber, wer weiß wie lange diese Ruhe anhält.

Also habe ich mir einen leckeren Kaffee gemacht und mein Journal rausgeholt. Die Einträge darin hatten in den letzten Wochen und Monaten nichts mehr von Regelmäßigkeit. Auch hatte ich lange nicht mehr meditiert und dabei tat es mir immer so gut.

Also nahm ich mir vor, dass alles wieder in mein Leben zu holen: Meine Ich-Zeit, mein Journal, meine Musik, meine Zeit zu Meditieren,…Und was soll ich Dir sagen, es klappt ganz gut und ich habe mir fest vorgenommen, beim nächsten Lockdown oder einer sonstigen Krise meine Ich-Zeit nicht wieder zu vernachlässigen. Ich nutze die Zeit jetzt, um diese Routinen wieder zu etablieren. Jetzt, wo es ruhig und einigermaßen entspannt ist, jetzt, wo die Kinder vormittags versorgt sind, JETZT, damit ich später nicht gleich wieder aus dem Takt komme, wenn die See wieder rauer, der Alltag wieder anders wird.

Zeit für mich als Mama, Selbstfürsorge

Wie nutzt Du diese wieder zurück gewonnene Zeit? Jetzt ist eine gute Möglichkeit (neue) Routine zu integriert. Von denen Du auch profitieren kannst, wenn es doch wieder Homeschooling und Kindergartenschließungen geben sollte.

Was gibt Dir Kraft? Wie kannst Du gut auftanken? Was bringt Dich in den Flow?

Das kann Schreiben, Malen, Meditieren, Bewegen, Lesen, Musik oder Podcast hören, in der Badewanne liegen, … sein. Was macht Dir Spaß?
Probiere einfach aus, wenn Du Dir nicht gleich sicher bist. Und dann suche Dir eine Zeit, in der Du gut für Dich sein kannst, ungestört.

Bei mir ist diese Zeit am frühen Morgen. Ich stehe vor allen anderen auf, schleiche mich ins Wohnzimmer, mit einem ersten Kaffee, zünde mir eine Kerze an, schreibe in meinem Journal und meditiere.

Nicht bei allen ist dies möglich, insbesondere dann nicht, wenn Dein Kind noch klein ist und mit im Bett schläft. Da ist das Rausschleichen gleich schwieriger.

Vielleicht ist diese Zeit für Dich dann eher am Abend oder dann, wenn Dein Kind Mittagsschlaf hält. Vielleicht gibt es diese Zeit auch nur am Wochenende, auch nicht schlimm. Finde das, was zu Dir passt.

Wichtig ist nur, dass Du auftankst in dieser Zeit, dass Deine Akkus geladen werden und Du es Dir gut gehen lässt. Denn nur wer seine Akkus gefüllt hat, kann sich auch um andere kümmern.

Und wenn Du dann Deine Routine gefunden hast, dann ist es auch einfacher sie in Krisenzeiten bei zu behalten, vielleicht nicht in der Intensität wie bisher, aber ich bin mir sicher, dass Du Dich schnell wieder darauf besinnst.

Die Routine, so meine Erfahrung, wird wichtig im Alltag, fast schon überlebenswichtig für Mamas, die wir uns doch immer um alles und jeden kümmern und uns dabei gerne mal vergessen